Reisebericht der Deutschstudentin Gisleia aus São Lourenço Drucken
Geschrieben von: Administrator   
Mittwoch, den 15. Juni 2011 um 20:34 Uhr

Ich bin Gisleia Simone Blank, komme aus São Lourenço do Sul und wohne seit einiger Zeit wegen meinem Studium in São Leopoldo. Ich studiere Deutsch und Portugiesisch auf Lehramt. Durch mein Studium hatte ich Anfang des Jahres die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen, worüber ich hier kurz berichte.

IFPLA ist eine Institution, die für Lehrerausbildung im Bereich der deutschen Sprache verantwortlich ist. Sie ermöglicht u.a., dass jedes Jahr 20 Studenten ein Stipendium für das ganze Studium bekommen d.h. für vier Jahre. Die Studenten müssen an den Seminaren an der Universität (UNISINOS) teilnehmen und an denen der IFPLA. Am Ende des dritten Studienjahres haben 10 Studenten die Möglichkeit zwei Monate nach Deutschland zu reisen. Die Studenten müssen sich bewerben und 10 werden vom Institut je nach Leistung ausgesucht. Außerdem zählt auch die Gewandtheit in der Gruppe. Das Ziel der Reise ist die Sprache zu verbessern und die Kultur des Landes zu erleben.

Dieses Jahr war ich dabei und hatte die Möglichkeit meinen Traum zu erfüllen.

Unsere Gruppe ist am 31. Dezember von Porto Alegre abgeflogen und am Neujahrstag in Leipzig angekommen. Ab dann haben wir ein volles Programm gehabt. Jeweils eine Woche in einer anderen Stadt für die Dauer von fast zwei Monaten. Die zwei ersten Wochen blieben wir in Leipzig, da besuchten wir einen Sprachkurs am Herder-Institut. In Leipzig wohnten wir nicht bei Familien, sondern im Gebäude des Gustav Adolf Werks (GAW) sowie im Prediger-Seminar. Die Unterkunft in dieser Institution war kein Zufall, denn das GAW unterstützte teilweise unsere Unterkunft in Deutschland. Außer dem GAW wird die Unterkunft auch von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZFA) unterstützt. Und ganz wichtig sind auch die Familien, die sich freiwillig bereit erklärten Studenten für eine Woche aufzunehmen. Nach Leipzig wurde die Gruppe geteilt. 5 Studenten reisten nach Sachsen-Anhalt und 5 nach Mecklenburg-Vorpommern. Ich war allein in Neubrandenburg.

Nach der Woche in den neuen Bundesländern trafen wir uns alle in Berlin. Und weiter in Bremen, Rheinböllen (Hunsrück) sowie in Gießen. Immer blieben wir von Samstag bis Samstag in jeder Stadt. Immer wurden alle Studenten in Familien untergebracht. Die Gruppe hatte täglich Programm, d.h. Schule (meistens), Sehenswürdigkeiten, Museumbesuche. Wir machten auch Ausflüge (nach Dresden, Wittenberg, Potsdam, Bremerhaven, Mainz, Simmern, Frankfurt). Vieles konnten wir in den 7 Wochen erleben. Unsere Kenntnisse über das Land haben sich sicher erweitert. Ich persönlich bin sehr positiv beeindruckt. Die Organisation ist vorbildlich.

Am Ende des Besuches der Städte vom Programm durften wir noch sechs Tage Deutschland auf eigene Faust erleben. Die Zeit stand uns zur freien Verfügung. Wir konnten reisen wohin wir mochten. Ich hatte keine Bekannten in Deutschland, aber ein Name war mir aus den Zeitungen, die ich immer in São Lourenço lese, bekannt: Sponheim. Ich nahm Kontakt mit dem Bürgermeister Michael Berghof auf und wir vereinbarten, dass ich die Tage in Sponheim verbringen könnte.

Es war eine schöne Zeit (wie im Lied: „So schön, schön war die Zeit“). In Sponheim konnte ich in der Geschichte spazieren gehen. Die Kappensitzung war ganz etwas Anderes und Neues für mich, obwohl ich aus dem Land des Karnevals komme. Ein Spaziergang ermöglichte mir das Dorf kennenzulernen: Natürlich das ehemalige Haus des Gründers der Kolonie São Lourenço, Jacob Rheingantz, die ehemalige Klosterkirche und ein Gespräch mit Erich Schauß. Die Landschaft von Sponheim und São Lourenço (meine Meinung) ähnelt sich. Familie Berghof ist Zeuge, immer sagte ich: „Ja, es ist als wäre es São Lourenço!“ Ich wollte auch gern eine Schule besuchen, was ich in Bockenau getan habe. Ein Ausflug nach Bad Kreuznach gehörte auch dazu.

Sponheim war der Ort der Überraschungen, wie zum Beispiel das Abendessen mit dem Freundeskreis São Lourenço. Als wäre ich zu Hause. Immer wenn etwas von meiner Stadt erzählt habe, in Deutschland hatte man nur vage Vorstellungen darüber, aber im Freundeskreis São Lourenço war ich mit Leuten zusammen, die wussten worüber ich sprach. Außerdem hatte ich die allerbeste Überraschung in Sponheim. Am Sonntagmorgen lief ich fast vom Frühstückstisch weg vor Freude über den Schnee. Ich hatte es ganz wenig während meiner Zeit in Deutschland erlebt und war schon ein bisschen enttäuscht, aber in den letzten Tagen hatte ich auch noch diese Freude.

Am 24. Februar kam der schwere Tag, noch ein Abschied von einer Familie, einer Stadt. Und auch der Abschied von Deutschland, aber mit einem sicheren „Auf Wiedersehen“!

Als ich wieder in Brasilien war, kam immer wieder die Frage, was das Beste von der Reise war. Als wäre es so einfach in einem Wort zusammenzufassen. Das Schlechteste ist leichter zu sagen, denn es ist überhaupt nicht angenehm, wenn man in einem riesigen Flughafen (Frankfurt) steht ohne Handy (falls ich es hätte, hätte ich sowieso keine Nummer, die ich anrufen könnte), allein und nicht die Kommilitonen findet und nur nach einer Stunde erfährt, dass man im falschen Stock ist.

Vor allem aber: So schön, schön war die Zeit.

Gisleia und Bürgermeister Berghof

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 16. Juni 2011 um 19:41 Uhr